Vergangenheit
& Gegenwart
„Marek Lieberberg ist mehr Spaß als die meisten Künstler, die er veranstaltet“, urteilte U2-Sänger Bono. Bon Jovi sah ihn gar als „Ikone der Musikindustrie“, während die Dire Straits feststellten, dass es „keinen Besseren in seinem Metier gibt“. „Klasse, Stil und Integrität“ attestierte Sting. „Was ich an Dir mag, ist Kultiviertheit in einer Welt von Oberflächlichkeit“, bekannte Schauspielerlegende Mario Adorf. Siegfried & Roy bescheinigen ihm „Talent, Kreativität und Beharrlichkeit“.
Die Marek Lieberberg Konzertagentur gehört zu den führenden Exponenten der internationalen Musikindustrie. Seit mehr als drei Jahrzehnten präsentiert Marek Lieberberg aktuelle Kultur für Millionen, jenseits von Subventionen und auf eigenes Risiko. Sein Unternehmen erreichte aus eigener Kraft eine absolute Spitzenposition im europäischen Tourneegeschäft. Im Durchschnitt kommen jährlich zwei bis drei Millionen Besucher zu rund 500 Veranstaltungen.
Marek Lieberberg gilt als einer der Wegbereiter der Rock- und Popmusik. 1970 das erste Konzert mit der spektakulärsten Band dieser Zeit, The Who, gefolgt von den legendären Tourneen mit Deep Purple, Pink Floyd und Cat Stevens. Bereits seit Ende der 60er Jahre verhalf er der Festival-Idee zum Durchbruch, eine Leidenschaft, die ihn nicht mehr loslassen sollte. Er produzierte die überragenden Erfolge von André Heller, „Flic Flac“, „Begnadete Körper“ und das „Berliner Feuertheater“, die sogenannte „Trilogie der laufenden Wunder“.
Die MLK-Aktivitäten beinhalten Konzerte internationaler Stars der Rockund Popmusik sowie des Entertainments, Künstlermanagement und die Produktion von Show-Events. Open Air-Veranstaltungen sind ein Schwerpunkt des vielfältigen Programms des Branchenführers aus Frankfurt. Europas populärste Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ haben Kultstatus. Mit bis zu 130.000 Zuschauern jährlich sind sie absolute Publikumsmagnete, die zusätzlich durch TV- und Radioübertragungen weltweit ein Millionenpublikum erreichen.
Die Marek Lieberberg Konzertagentur organisierte Tourneen von Superstars wie Bryan Adams, Aerosmith, Bee Gees, Bon Jovi, Garth Brooks, Dire Straits, Elton John, Eurythmics, Grateful Dead, Bryan Ferry, Guns N`Roses, Enrique Iglesias, Billy Joel, Kiss, Mark Knopfler, Lenny Kravitz, Metallica, Police, Prince, Chris Rea, R.E.M., Roxy Music, Santana, Simply Red, Bruce Springsteen & The E-Street-Band, Sting, Supertramp, U2, Roger Waters und ZZ TOP, um einige der wichtigsten zu nennen.
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Rockdivas und Weltklasse-Performerinnen wie Celine Dion, Madonna, Mariah Carey sowie Anastacia und Shakira dokumentieren einen besonderen Schwerpunkt. Das Faible für Chansons oder die Faszination bizarrer Interpretinnen belegen beispielsweise Tori Amos, Patricia Kaas, Norah Jones und Loreena McKennitt.
Der amerikanische Folkrock mit seinen sozialen, politischen und musikalischen Wurzeln hat stets große Anziehungskraft auf Marek Lieberberg persönlich ausgeübt. Hier wurde die Hoffnung auf eine bessere, gerechtere Welt artikuliert, eine Jugendbewegung formierte sich, die Einfluss auf das Geschehen in der Welt nehmen wollte. Singer/Songwriter und Folkpoeten wie Jackson Browne, Tracy Chapman, Leonard Cohen, Marc Cohn, Crosby & Nash, Bob Dylan, Joni Mitchell, Simon & Garfunkel, James Taylor oder Neil Young stehen für diese Künstlergenerationen. Deren Charisma und Glaubwürdigkeit hatten entscheidenden Anteil an der Entscheidung, die eigene Affinität zur Musik mit seinem journalistischen Talent im Beruf des Promoters zu vereinen.
Mit Herbert Grönemeyer präsentiert MLK den bedeutendsten und populärsten deutschen Interpreten überhaupt. Die Tour 2002/2003 setzte mit mehr als 1,5 Millionen Tickets in Deutschland, Österreich und der Schweiz Rekordmaßstäbe. Xavier Naidoo, der wichtigste jüngere Interpret Deutschlands, wird seit Beginn seiner Solokarriere von Marek Lieberberg als Veranstalter betreut. Otto, Reamonn und Sasha sind weitere nationale Topacts, die dem Touring-Team der Marek Lieberberg Konzertagentur vertrauen, das auch die erfolgreichste Tournee von Marius Müller-Westernhagen ausgerichtet hat. Die weltweite Karriere der Ute Lemper, die er als Manager und Produzent begründete, ist ebenso mit Marek Lieberberg verbunden wie die Produktion der Personality-Shows von Mario Adorf.
Jeweils mehr als anderthalb Million Menschen sahen die Rekordtourneen des Meistermagiers David Copperfield und die populärste Arena-Show der Gegenwart Lord of the Dance, die von einzigartigen Promotionkampagnen flankiert wurden. Damit werden weitere wichtige Facetten eines breitgefächerten Programms deutlich.
Kulturell herausragende Events wie die Auftritte der spanischen Tanzgenies Joaquin Cortes und Antonio Gades, Tango Argentino, der Broadway-Erfolg Fool Moon oder die Tournee-Produktion Linie 1 sowie die europäische Erstaufführung von Halleluja Broadway verdeutlichen eine enorme Bandbreite. Mit Cats und Les Misérables profilierte sich Marek Lieberberg im Musicalbereich. 1999 produzierte die Marek Lieberberg Konzertagentur die deutsche Erstaufführung des Musicals Rent. Am Broadway engagierte er sich als Co-Produzent von The Crucible, Death of a Salesman, Iceman Cometh, Metamorphoses, Hairspray und Spamalot. Die Tournee der englischsprachigen Originalversion des weltweit erfolgreichsten Musicals Mamma Mia! in Deutschland und Österreich stellt einen besonderen Höhepunkt dar.
Die Förderung neuer Talente und Tendenzen stand immer im Mittelpunkt der Bemühungen von Marek Lieberberg, dessen Impulse und Engagement von der Musik und seinem umfassenden künstlerischen Interesse geprägt werden. Er versteht sich als Impresario, der seine Persönlichkeit und seine Überzeugungen in starkem Maße einbringt und nicht zugunsten kommerzieller Erwägungen opfert.
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Künstler wie Audioslave, Dido, The Fugees, Lauryn Hill, Avril Lavigne, Limp Bizkit, Linkin Park, Keane, Korn, Mando Diao, Alanis Morissette, Dave Matthews Band, Nelly Furtado, Nine Inch Nails, Nirvana, The Offspring, Pearl Jam, Queens of the Stone Age, Rage Against The Machine, The Rasmus, The Smashing Pumpkins, System of a Down, Tool und Travis unterstreichen die Verbindung der Marek Lieberberg Konzertagentur zur aktuellen Musikszene und zur modernen Rockmusik.
Im Dezember 1992 mobilisierte Lieberberg gemeinsam mit der Schallplattenindustrie spontan die wichtigsten Künstler Deutschlands aus den Bereichen der Pop- und Rockmusik zu einer gemeinsamen öffentlichen Aussage gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit und für Menschlichkeit und Brüderlichkeit. „Heute die! Morgen Du“, das Open Air-Konzert vor mehreren hunderttausend Menschen in Frankfurt, wurde zu einem Signal des guten Willens, das weltweit immense Beachtung fand.
Acht Jahre später hieß es in Leipzig erneut „Gesicht zeigen gegen Gewalt“. Im Dezember 2000 folgte die Musikszene dem Aufruf für ein tolerantes Deutschland gegen Rassismus und rechte Gewalt. Der Protest artikulierte sich in einem spektakulären MTV-Konzert, das von Lieberberg organisiert wurde.
Im Auftrag seines langjährigen Freundes Bob Geldof organisierte Marek Lieberberg das Berliner Live 8- Konzert im Juli 2005, Teil der größten Künstleraktion und Demonstration in der Musikgeschichte. Über 220.000 Besucher auf der Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor sowie Millionen an Bildschirmen und Radios nahmen Anteil an einem Ereignis, das den Kampf gegen Hunger und Elend in Afrika thematisierte.
Vor seiner Tätigkeit als Veranstalter arbeitete Marek Lieberberg als verantwortlicher Nachrichtenredakteur bei Associated Press, für die er aus Frankfurt, Bonn und Berlin berichtete. In seiner Schulzeit hatte er als Sänger mehrerer Amateur-Rockbands Aufmerksamkeit erregt. So trat er auch im legendären Hamburger Starclub auf und veröffentlichte mehrere Schallplatten. Bis 1987 war Marek Lieberberg geschäftsführender Gesellschafter der Mama Concerts GmbH, die er gründete und 17 Jahre lang leitete.
Einen familiär geprägten Wechsel gab es Mitte 2002 bei der Führung der Modern Music-Abteilung. Daniel Lieberberg, der vier Jahre lang erfolgreich an der Spitze dieser Sparte stand, ging als Marketing-Chef zu Motor Music/Vivendi Universal. Als neuer Department Head agiert seither sein Bruder Andre Lieberberg. Andre erwarb im Herbst 2001 sein Master-Diplom der Medien und Kommunikationswissenschaften am Goldsmiths College der University of London. In den vergangenen Jahren hatte er umfangreiche Berufserfahrungen innerhalb der Marketingabteilungen von MTV Europe und Universal Music International in London sowie bei Epic Records in New York sammeln können. So absolvierte er mit Erfolg das Broadwaymusical- und Theaterseminar in Manhattan.
Seit Ende 1999 besteht eine Allianz mit CTS Eventim. Dadurch wurden Plattform und Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens erweitert. Marek Lieberberg betrachtet diesen Schritt als richtige Antwort auf die aktuellen Herausforderungen im internationalen Konzert- und Entertainment-Business. Seine Konzertagentur biete maßgeschneiderte Alternativen und individuelle Konzepte für einen facettenreichen Markt. „Diese europäische Perspektive verbindet Tradition und Kultur unseres Kontinents mit den finanziellen Erfordernissen des internationalen Musikgeschäfts“. Diese Verbindung wurde 2004 erweitert durch eine Beteiligung des größten globalen Entertainment-Konzerns, Clear Channel, an der Marek Lieberberg Konzertagentur.
Die Marek Lieberberg Konzertagentur will ihre führende Stellung als Festivalproduzent sowie ihr Tourneegeschäft kontinuierlich ausbauen. Nach Auffassung von Marek Lieberberg verfügt kein anderer Promoter in Europa über mehr Erfahrung und Know-How. Auf der Basis einer erstaunlichen Erfolgsserie sollen durch die Verbindung von Konzertgeschäft und Ticketing weitere Synergien für eine positive Entwicklung geschaffen werden.
ANDRÉ LIEBERBERG
ÜBERNAHM FÜHRUNGSROLLE BEI MLK
Einen Wechsel, der familiär geprägt war gab es Anfang Juli 2002 innerhalb der Führung der Modern Music-Abteilung der Marek Lieberberg Konzertagentur. Daniel Lieberberg, der vier Jahre lang erfolgreich an der Spitze dieser Sparte stand, ging als Marketing-Chef zu Motor Music/Vivendi Universal.
André Lieberberg, 25, erwarb im Herbst 2001 sein Master-Diplom der Medien und Kommunikationswissenschaften am Goldsmiths College der University of London. In den vergangenen Jahren hatte er umfangreiche Berufserfahrungen innerhalb der Marketing-Abteilungen von MTV Europe und Universal Music International in London sowie bei Epic Records in New York sammeln können. Zuletzt absolvierte er mit Erfolg ein Broadwaymusical- und Theaterseminar in Manhattan.
Marek Lieberberg Konzertagentur GmbH & Co.KG
Mörikestr. 14
60320 Frankfurt / Main
info@mlk.com
FAZ 21.05.2007
Marek Lieberberg
Impresario der Rock-Legenden
FAZ Artikel vom 21.05.2007
Von Andreas Obst
An der Wand des Besprechungszimmers in Marek Lieberbergs Bürovilla hängt ein gläserner Schrein. Darin befinden sich die Trümmer eines schwarzen Laptops: ein Geschenk des kanadischen Sängers und Gitarristen Bryan Adams zu Lieberbergs sechzigstem Geburtstag im vorigen Jahr. Unter den Bruchstücken des Geräts steht die Zeile: “25 Years of Happy Negotiations”. Seit einem Vierteljahrhundert organisiert Lieberberg die Deutschland-Tourneen des Musikers. Es ist eine der zahlreichen Arbeitsfreundschaften, die über die Jahrzehnte zwischen dem Frankfurter Impresario und den Hauptdarstellern der internationalen Rock- und Popwelt entstanden sind. Kaum ein Künstler von Rang und Namen in diesem Metier, den Lieberberg nicht präsentiert hätte. Nur mit den Rolling Stones wollte er sich nie einlassen. Mit Mick Jagger, so erkannte er früh, kann niemand faire Geschäfte machen. Der Rolling-Stones-Sänger gilt als beispiellos unangenehm, ja unverschämt in Verhandlungen.
Ein Laptop an die Wand geschmettert
“Wenn die Wahrheit über die Legende herauskommt, drucken wir trotzdem die Legende”, heißt es am Ende von John Fords Kinowestern “Der Mann, der Liberty Valance erschoss”. Darin geht es um scheinbare Schuld und echte Verantwortung, um Aufrichtigkeit in Zeiten des Opportunismus, um die Wahrheit – und eben um Legenden. Bei einem Konzert der Gruppe “Depeche Mode”, das er in München veranstaltet hat, geriet Lieberberg mit dem Buchhalter der Band aneinander. Der hatte provozierend umständlich die Tastatur des Computers bedient und auf Lieberbergs Frage, wie lange es wohl noch dauere, den Anteil der Band aus dem Umsatz des Abends zu rechnen, patzig zur Antwort gegeben: so lange eben, wie es dauert. Nein, entgegnete Lieberberg, nahm den Laptop und schmetterte das Gerät an die Wand – unter dem Beifall der Musiker, die hinzugestürzt waren. Heute, sagt Lieberberg, geben mindestens dreißig Bands an, Zeugen dieses Ereignisses gewesen zu sein. Und auch Bryan Adams würde womöglich einen Eid schwören, dass Laptop-Zerstörung und Buchhalter-Demütigung nach einem seiner Konzerte geschahen. Immerhin brachte ihn das Ereignis auf die Idee für ein originelles Geburtstagsgeschenk.
Ein Mann muss tun, was er tun muss. Die tiefe Verbindung zwischen dem klassischen Western und dem Geschäft mit der Rockmusik verdichtet sich in Marek Lieberberg wie nirgendwo sonst. Mit vierundzwanzig veranstaltete er sein erstes Rockkonzert. Vorher hatte er in Frankfurt ein Soziologie-Studium abgebrochen und zwei Jahre lang als Nachrichtenredakteur bei der Agentur Associated Press gearbeitet. Während ihn die akademischen Diskussionen im Kometenschweif der Achtundsechzigerbewegung bald langweilten, war er sich sofort sicher, als Journalist seine Bestimmung gefunden zu haben. Schnelles Formulieren und prägnantes Polarisieren sind ihm bis heute eigen. Unvergessen, dass er dabei war, als Associated Press als erste Agentur bei der Bundestagswahl 1969, noch während die Stimmen ausgezählt wurden, die sozialliberale Koalition voraussagte.
Mit “The Who” fing alles an
Gegen die Fortsetzung der journalistischen Laufbahn sprachen allerdings die beschränkten Möglichkeiten, mit dem Denken und Schreiben Geld zu verdienen. Verlockend erschien ihm hingegen die Rockmusikszene, die in den Sechzigern jäh aufgeblüht war und die er als Sänger zweier Bands und nun auch als Journalist aus der Nähe kannte. Seine Voraussetzung für den Beruf des Konzertveranstalters hingegen erschöpfte sich seinerzeit in der “unbedingten Lust auf Rock” und einer Überzeugungskraft, die aus seinem schon damals stark ausgeprägten Selbstbewusstsein resultierte. Als Startkapital reichte diese Mischung aus. Lieberberg reiste nach London und sprach die Musiker der populären Bands vor den Türen der Clubs und an den Theken der Kneipen an. Dass er sich als Veranstalter-Debütant gleich mit der Zerstörungsenergie des englischen Quartetts “The Who” maß, die er nach Münster und Offenbach brachte, betrachtet er heute als wegweisend. Denn da er an dieser Aufgabe nicht zerbrach, war es für ihn selbstverständlich, Europas erfolgreichster Rockimpresario zu werden. Dem amerikanischen Branchenmagazin “Pollstar” zufolge belegt Lieberberg im ersten Quartal 2007 den vierten Rang der “Top-Promoter” weltweit, mit 453.686 verkauften Eintrittskarten. Zwanzig feste Mitarbeiter beschäftigt er heute in seinen Büros in Frankfurt und Berlin, er selbst ist fast zwei Drittel des Jahres in der Welt unterwegs; 100 Millionen Euro setzt seine Agentur jährlich um, davon bleiben zwischen 5 und 9 Millionen im Jahr als Gewinn stehen.
Bier und Matsch – Rock am Ring
Lieberberg wollte freilich immer mehr, als nur Eintrittskarten zu verkaufen. Rockmusik fordere das ganze Herz, lautet seine Devise. Das gilt auch für den Konzertveranstalter, als Mittler zwischen Künstler und Publikum. Nichts Menschliches ist ihm fremd geblieben in den Jahrzehnten zwischen dem Olymp der Rockgötter und den Matschwiesen der Open-Air-Arenen. Lieberberg hat das Festival “Rock am Ring” in der Eifel erfunden, das jedes Jahr am ersten Juniwochenende stattfindet, in diesem Jahr zum einundzwanzigsten Mal: eine Leistungsschau zeitgenössischer Rockmusik als Spiegel der Publikumsinteressen – “unterhalb des Radars der Medien”, die ihre Deutungskompetenzen längst verloren haben, wie Lieberberg meint. Dort sitzt er, der für sich stets Wert auf konservativ klassische Garderobe legt, vor Campingzelten unter biertrinkenden Rockfans und weiß sich unter Herzensgleichen. Den Ausnahmerang des Künstlers hingegen will er nicht gelten lassen. Allzu oft habe er die größten Stars als kleine Menschen erleben müssen: ratlos, verwirrt, ängstlich und verzweifelt. Der Umgang mit ihren Launen hat ihn philosophisch werden lassen. Die Rockmusik sei an die Stelle des Hochadels früherer Epochen getreten, doziert er, der Rockstar betrachte sich selbst als eine Art absolutistischen Herrscher, der von seinem Gefolge, der Musikindustrie, den Medien und vor allem den Fans, bedingungslosen Gehorsam verlange. Zwischen diesen Mühlsteinen könne man nur mit Mut zur eigenen Meinung bestehen. Genau zwei Möglichkeiten habe ein Konzertagent, um den Auftrag zu ergattern, für einen Künstler die Tournee auszurichten. Entweder man garantiere mehr Einnahmen als die Konkurrenz, oder man überzeuge durch Persönlichkeit.
In der Branche genießt Lieberberg einen Ruf als perfekter Gastgeber. Seine Großzügigkeit, Teil der Inszenierung eigenen Selbstverständnisses, ist sprichwörtlich. Künstler und Geschäftspartner bringt er in Luxushotels unter, er verwöhnt sie in den besten Restaurants, empfiehlt den Besuch von Sehenswürdigkeiten, Museen und Ausstellungen.
Die Musik spielt auf Hawaii
Spätestens mit Mitte Dreißig sei man dem Rock entwachsen, postuliert Lieberberg. Für koketten Unsinn hält er, was die Sänger der frühen Aufbruchsjahre über Leben, Tod und Ewigkeit gesungen haben. “Sterben möchte ich, bevor ich alt werde” (The Who), “Zu alt für Rock ’n’ Roll, zu jung zum Sterben” (Jethro Tull), “Besser ausbrennen als einrosten” (Neil Young). Aus dem Wunsch, die Welt mit Melodien zu verändern, die von einem hingeknüppelten Viervierteltakt angetrieben werden, sei die Wirklichkeit einer Industrie gewachsen, deren wesentliches Merkmal die Wiederkehr des Immergleichen ist. Längst sei der Rock im Leben angekommen. Man muss das Spiel durchschauen, um dann nach seinen eigenen Regeln zu spielen, sagt Lieberberg. Zu Hause hört er inzwischen lieber klassische Musik, Opern vor allem.
Neben dem Anwesen in Frankfurt besitzt der Konzertveranstalter ein Haus, das er sich auf der Hawaii-Insel Maui bauen ließ. Hawaii habe er vor Jahrzehnten entdeckt, auf der Suche nach einem Ort, der exotisch sei, aber nicht zu abenteuerlich, mit angenehmem Klima und ohne gefährliche Tiere. Keine Übertreibungen eben. In dieser Hinsicht sei er ganz geprägt durch die jüdischen Traditionen, mit denen er aufwuchs. Mindestens viermal im Jahr verbringe er Zeit auf Maui. Die Green Card, die Ausländern in Amerika alle Türen öffne, habe er mit dem Argument erhalten, in Deutschland seit Jahrzehnten Amerikanern Arbeit zu verschaffen. Neuerdings veranstaltet er auch Konzerte auf Hawaii. Im vorigen Jahr spielte Billy Joel dort, davor musizierten die Eagles, und Celine Dion war auch schon da. Früher einmal habe er überlegt, ganz nach Amerika zu gehen, ins gelobte Land des Rock, sagt Lieberberg. Doch sein Leben sei in Deutschland, und die Musik spiele schließlich auch hier.
Rheinische Post
vom 07.07.2007
RHEINISCHE POST ARTIKEL ÜBER MAREK LIEBERBERG VOM 7.JULI 2007
DER KONZERTBOSS
Marek Lieberberg betreibt die erfolgreichste Konzertagentur Europas. Sein Portfolio liest sich wie das Who is Who der Rockgeschichte. Er bereitet für Madonna, Bruce Springsteen, Pink Floyd, The Who und Sting eine Bühne. Mit „Rock am Ring“ veranstaltet der 61-Jährige Deutschlands größtes Musikfestival.
Den kompletten Artikel finden Sie hier (Adobe Acrobat PDF)!Rolling Stone Interview
April 2008
Mann im Hintergrund
André Lieberberg, Sohn des legendären Konzertveranstalters Marek, bucht die Bands für „Rock am Ring“ – und versteht sich als Dienstleister fürs Publikum
Im deutschen Konzertgeschäft ist Marek Lieberberg ein klangvoller Name. The Who, Springsteen, Madonna, Depeche Mode – der Frankfurter Konzertveranstalter hat ein Portfolio voller Legenden, ein bisschen ist er selbst eine. Lieberberg hat Tourneen noch als Abenteuerreisen erlebt, seine Berichte von Keith Moon auf dem Kronleuchter und gestürmten Pink Floyd- Konzerten gehören zum Kanon der Rock’n’Roll-Geschichtsschreibung.
Der Generationswechsel vollzieht sich im Hause Lieberberg schrittweise. Sohn Daniel Lieberberg gründete vor gut zehn Jahren den Bereich „Modern Rock“, bevor er zum Major-Label Universal ging. Seitdem hat der jüngere Sohn, André, die Zukunft vor Augen. Neben Linkin Park, Placebo, Nelly Furtado und den Killers das wichtigste Thema: Rock am Ring bzw. im Park. Seit sechs Jahren sucht André die Headliner aus, mischt Neues mit Bewährtem und überblickt die Entwicklung von Deutschlands größtem Festival. In diesem Jahr stehen mit Metallica, den reformierten Rage Against The Machine und den Toten Hosen die Headliner schon früh fest.
Gerade heute ist ein bisschen Stress in der schön herrschaftlichen, mit Konzertplakaten, Widmungen und Künstlerfotos vollgehängten Frankfurter Stadtvilla. Eine US-amerikanische Rockband im Roster von MLK geriert sich offenbar ein bisschen schwierig. Die Kommunikation sei manchmal kleinlich und undankbar, erzählt Lieberberg und wünscht sich eine bessere Balance von Geben und Nehmen. Das kennt er vom Vater anders, der seine Verträge am Anfang noch auf Servietten abschloss, Cat Stevens in der eigenen Küche bewirtete und die Söhne zum Abendessen mit zu Billy Joel nahm. „Natürlich prägt das“, bestätigt Lieberberg, „aber mein Vater hat mir etwas Wichtiges beigebracht: Das Licht der Stars lässt uns nicht heller scheinen. Wir bleiben Dienstleister – zu viel Nähe ist oft weder förderlich noch beabsichtigt.“
Herr Lieberberg, wie bucht man beispielsweise Metallica?
Es war abzusehen, dass Metallica im Sommer für Festivals zur Verfügung stehen wird. Weil wir die Band generell zusammen mit Wizard Promotions auf Tour bringen, ist man frühzeitig über die Tourneepläne informiert. Es beginnt dann ein ziemlicher Konkurrenz- und Preiskampf unter den europäischen Festivals. Wir hatten gute Karten, weil die Band das Festival kennt, aber anfangs sah es eher schlecht für uns aus – einer der Musiker sollte genau zum Zeitpunkt der Festivals Vater werden. Glücklicherweise hat der verantwortliche Arzt den Termin nach hinten korrigiert.
Wie war das bei Rage Against The Machine?
Natürlich verfolgt man die Reunion und spricht mit der Band über ein generelles Interesse, Shows zu spielen. Dass es wohl keine neue Platte geben wird, ist für uns nebensächlich, man setzt so eine Band ja als Headliner, weil man dem Publikum ein Greatest-Hits-Set bieten will.
Was kostet so eine Band?
Habe ich gerade vergessen.
Sicher.
Nein, im Ernst, es wäre eher unromantisch, hier über Zahlen zu sprechen.
War das Tourneegeschäft denn früher wirklich romantischer?
Jedenfalls nicht so bürokratisch. Heute wird jedes Detail bis ins Kleinste verhandelt und festgelegt, und oft hat man das Gefühl, dass die Gegenseite einem misstraut. Bei meinem Vater ging das noch direkter zu – da konnte man einen Deal auch schon mal am Telefon abschließen. Außerdem ist der Druck sehr hoch. Wir müssen gerade bei sehr bekannten Künstlern praktisch immer ausverkaufen, um Gewinn zu machen. Um eine schiefgegangene Arena-Tournee auszugleichen, braucht man fünf bis zehn erfolgreiche Tourneen.
Dabei weckt das Konzertgeschäft doch gerade jetzt Begehrlichkeiten bei Plattenfirmen, die auf der Suche nach neuen Umsatzmöglichkeiten sind.
Eine absurde Vorstellung! Wenn man als Label jetzt auf die Idee kommt, die eigenen Künstler zu buchen, beinhaltet dies enorme Risiken. Es scheint hier ein Missverständnis zu geben: Die Gewinnspannen im Tourneegeschäft sind oft geringer als die von physischen und digitalen Plattenverkäufen. Auf lange Sicht kann nur überleben, wer sich breit aufstellt, die entsprechende Erfahrung hat und bereit ist, neue Künstler kontinuerlich aufzubauen. Und natürlich sind für uns die Festivals Rock am Ring und Rock im Park sehr wichtig.
Im Hause Lieberberg ist die momentan so heiß diskutierte Umwälzung der Märkte also kein Thema?
Nicht wirklich. Wenn Madonna jetzt mit Live Nation einen 360-Grad-Deal eingeht, dann ist uns das insofern nicht egal, weil Live Nation einen Anteil an MLK besitzt und wir deshalb eine relative Planungssicherheit haben, auch in Zukunft mit Madonna zusammen zu arbeiten. Aber prinzipiell bleibt unsere Rolle dieselbe, unabhängig davon, wem ein Künstler seine Rechte veräußert. Mag schon sein, dass sich das Geschäft öffnet und hier und da neue Allianzen entstehen, wenn ein Label beispielsweise eine funktionierende Merchandising-Firma hat oder ein Künstler für einen größeren Vorschuss Anteile am Live-Umsatz abgibt. Aber das alles wird wesentlich gradueller vonstatten gehen, als viele momentan mutmaßen. Überhaupt wird der Drei-Sechzig- Deal doch schon seit langem erfolgreich praktiziert – beispielsweise von den Toten Hosen und den Ärzten.
Zurück zum Festival: Gibt es da so etwas wie ein musikalisches Konzept? Man wundert sich ja manchmal über die vielen brachialen Bands auf dem Billing.
Sicher sind immer relativ viele harte Bands im Line-up, aber insgesamt sind wir wahrscheinlich die eklektischsten Festivals in Deutschland, von Indie-Pop bis Metal. Gerade im Zeitalter von Downloads und iTunes ist es viel einfacher geworden, seinen Musikgeschmack zu erweitern und zu diversifizieren. Man hört eben beides: Metallica und Kate Nash.
Wie wichtig ist es denn eigentlich das Line-up für den Erfolg Ihres Festivals? Man hat ja den Eindruck, die Leute kommen eher wegen des Events und weniger, um eine bestimmte Band zu sehen.
Bedingt. Da sind die, die gucken, welches Festival die meisten Bands hat, die ihnen gefallen, und die, die sagen: Super Festival, tolle Stimmung, eine Menge Bands kenne und mag ich, andere entdecke ich. Und dann sind da natürlich die, die einfach drei Tage lang im Freien feiern wollen. Auch hier spielen die Acts eine Rolle: Wir buchen Künstler, deren Publikum prinzipiell nichts gegen drei Tage Campen hat.
Rock am Ring ist ja auch immer eine Möglichkeit für Sie, Ihre eigenen Bands im großen Rahmen zu präsentieren. Ist Nachwuchsarbeit wichtig für einen Konzertveranstalter?
Ja, natürlich. Wir müssen beobachten, was passiert, und uns frühzeitig um interessante Künstler bemühen. Beispielsweise um Kate Nash und Justice – beide verkaufen 1500 bis 2000 Karten pro Show, was für Debütanten viel ist. Das ist eine Entwicklung, die mir großen Spaß macht.
Wie dicht dran ist man denn als Konzertpromoter an einem Künstler?
Nicht so dicht, wie oft angenommen. Die Grenzen sind mittlerweile recht klar gezogen. Es muss nicht immer so persönlich zugehen – auch die letzte Morrissey- Tour war für mich eine grandiose Erfahrung. Ich habe nicht das Bedürfnis, dem Künstler meine Sicht der Welt zu erläutern. Es geht darum, die Shows durch Marketing und Promotion im günstigsten Fall auszuverkaufen – und natürlich, bei Morrissey, sämtliches Fleisch aus den Venues zu verbannen.
Jörn Schlüter
Den kompletten Artikel finden Sie hier (Adobe Acrobat PDF)!Süddeutsche Zeitung
vom 28.03.2009
In einem viel beachteten Beitrag für die Süddeutsche Zeitung, "Das wollt Ihr nicht wirklich", hat Marek Lieberberg den zügellosen Raubbau an kreativen Leistungen im Internet angeprangert und vor einer weiteren Erodierung intellektuellen Eigentums gewarnt.
Vollständiger Artikel
Süddeutsche Zeitung / Wochenendbeilage
28.03.2009