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    Jamie Lidell ist ein Ausnahmekünstler. In den späten Neunzigern schloss er sich zunächst mit Cristian Vogel zum Experimentierduo Super Collider zusammen. Solo sorgte er mit selbstgesampelten Stimmfetzen, über die er Soulmelodien sang, bald für ausverkaufte Konzerte. Zuletzt schrieb er den perfekten Frühjahrssoundtrack: Die Vintage-Nummer „Another Day“ ist seit 2008 nicht mehr aus dem Radio wegzudenken. „Now let all the silence do the talking“ sang der gebürtige Brite in diesem betörenden Feelgood-Ohrwurm, „lass die Stille sprechen”. Im Mai erschien sein viertes Album „Compass“, an dem so hochkarätige Kollegen wie Beck, Feist und Mitglieder von Wilco oder Grizzly Bear mitwirkten. Nach seiner erfolgreichen Clubtour im Frühjahr kehrt James Lidell nun für zwei Shows nach Deutschland zurück. Am 8. November macht er in Hamburg Station, am 13. November in Berlin.

    Lidell selbst fühlt sich von Prince und Otis Redding inspiriert und hat die Vielfalt zeitgemäßer Musik doch für sich vereinnahmt. Mit „Multiply“ folgte 2005 der Wechsel zum legendären britischen Elektrolabel Warp und zu seinem großen Pop-Entwurf. Der Titelsong landete auf dem Soundtrack der amerikanischen TV-Serie „Grey’s Anatomy“. Das zuletzt erschienene „Jim“ bescherte Lidell den Independent Music Award für das „Beste Pop/Rock-Album“. Mit den Clubhelden Simian Mobile Disco nahm er den Track „Off The Map“ auf, mit Künstlern wie Gonzales oder Feist probierte er immer wieder neue Wege aus.

    Auf „Compass“ schlägt der „Indie-Soul Troubadour“, wie die Presse ihn nannte, scheinbar andere Töne an: „The only compass that I need,“ singt der heute 36-Jährige im erst spärlich instrumentieren, dann lospolternden Titeltrack, „is the one that leads me back to you“. Aber keine Sorge: Lidell hat die Tanzbarkeit nicht gegen Melancholie eingetauscht. Er lotet schlichtweg die Grenzen zwischen Songwriter, TripHop, World Music und allem, was die letzten 50 Jahre Pop so hervorgebracht haben, neu aus. Und beweist: musikalisches Geschichtsbewusstsein und Innovation schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander. Zumindest bei Ausnahmekünstlern wie Jamie Lidell.

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