Seite 1

Die Bedeutsamkeit von Alice In Chains ist kaum in Worte zu fassen. Gemeinsam mit Bands wie Pearl Jam und Nirvana schufen Alice In Chains zu Beginn der 90er Jahre die letzte große Revolution des Rock und hoben Seattle auf die Landkarte der wichtigsten Musikzentren der Welt. Denn hier wurde der Grunge geboren – plötzlich trafen künstlerische Innovation und kommerzieller Erfolg in einzigartiger Weise aufeinander. Belege dafür sind 14 Millionen verkaufte Alben allein in den USA, elf Top Ten-Singles und sechs Grammy-Nominierungen. Nach dem tragischen Tod von Sänger Layne Staley und einer längeren Phase der Inaktivität melden sich Alice In Chains nun in alter Stärke zurück. Im September erscheint ihr erstes Studioalbum seit 14 Jahren. Zuvor kommt die Band aus Seattle bereits im August für drei Konzerte in Köln, Berlin und Hamburg live nach Deutschland.

Als die Initialzündung von Grunge zu Beginn der 90er Jahre in die Welt krachte, war niemand überraschter über diesen plötzlichen Erfolg als die Protagonisten der Szene selber. In dunklen Proberäumen im nordwestlichen Zipfel der USA hatten diese Bands eine neue Form von Rockmusik erdacht, die sich bei Punk, Heavy Metal und Psychedelic Rock zu gleichen Teilen bediente. Diese authentische Melange wurde ergänzt durch dunkle, teils selbstzerfleischende Texte. Geboren aus der Unzufriedenheit über die moderne Gesellschaft, schufen diese Bands eine mitreißende Form von ‚Teenage Angst’, die Jugendliche überall auf der Welt nachvollziehen konnte. Es war der Klang des Zeitgeistes, ein Sound, der in virtuoser Rockmusik die Suche nach Identität und der Hoffnung auf ein besseres Leben ausdrückte.

Und so hoben fast zeitgleich vier Bands aus Seattle zu internationalem Erfolg an: Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden und Alice In Chains. Vergleichen mit den Genre-Kollegen, galt die Band um das höchst kreative Songwriter-Duo aus Sänger Layne Staley und Gitarrist Jerry Cantrell als die morbideste und dunkelste Version von Grunge. Überwältigend melodiös und klanglich begeisternd intensiv, schrieb Staley Texte, die wie das Kopfkino zu einer lebenslangen Depression wirkten. Und so erlangten Alice In Chains, die sich bereits 1986 gegründet hatten, gleich mit ihrem ersten Album „Facelift“ im Jahre 1990 internationale Aufmerksamkeit. Denn ihre Musik schien die kunstvoll dynamische Entsprechung zu den Gedanken zu sein, mit denen sich ein Jugendlicher zu Beginn der 90er auseinander setzte.

Die folgenden Alben „Dirt“ und „Alice In Chains“ sowie die EPs „SAP“ und „Jar of Flies“ stiegen allesamt international in die Charts und ließen das Quartett sukzessive zu einem internationalen Topact reifen. Dabei erging es ihrem höchst charismatischen Frontmann Layne Staley ähnlich wie Kurt Cobain, dem Kopf von Nirvana: Er schien überfordert mit den Anforderungen an eine öffentliche Person und flüchtete sich in Drogen. Auf dem Zenit ihres Erfolges geschah die Tragödie: Am 20.04.2002 fand man Staley tot in seinem Appartement.

Gitarrist Jerry Cantrell legte die Band vorübergehend auf Eis und schrieb zunächst zwei Soloalben. Erst 2005 fanden Cantrell, Bassist Mike Inez und Drummer Sean Kinney mit dem neuen Sänger William DuVall (ex-Comes With The Fall) für einige Benefiz-Konzerte erneut zusammen. Die Chemie stimmte, und nach zahlreichen internationalen Festival-Auftritten entscheid die Band im vergangenen Jahr, das erste Studioalbum seit 14 Jahren aufzunehmen. Jenes wird für September angekündigt. Zuvor kann man eine der besten Bands der jüngeren Rock-Historie in Deutschland live erleben. Es wird ohne Zweifel ein Abend, den alte und neue Fans nicht vergessen werden.