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In ihrer Heimat gehören Indochine zu den großen Stars der französischen Popkultur der vergangenen drei Jahrzehnte. Fast alle ihrer zwölf Studioalben stiegen in die französische Top 10 und verkauften sich insgesamt über zehn Millionen Mal. Unter ihren Singles finden sich zahlreiche nationale Radio-Hits, die zu den Klassikern der französischen Popmusik zählen. Besonders bemerkenswert ist dabei, wie sich Indochine in ihrer 33-jährigen Karriere immer wieder neu erfunden haben. Ihrer Basis aus melancholischem, dunkel gefärbtem Wave-Pop fügen sie in brillanter Weise aktuelle Strömungen und überraschende stilistische Aspekte hinzu. 2013 erschien ihr bislang letztes Studioalbum „Black City Parade“. Gerüchten zufolge arbeitet die Band gegenwärtig am Nachfolger. Am 8. April kommen Indochine für ein exklusives Konzert im Berliner Postbahnhof nach Deutschland.

Als zu Beginn der 80er der Wavepop von England aus die Welt eroberte, fanden sich auch in Frankreich zahlreiche Connaisseure dieser – dank eines intensiven Einsatzes der neuen Synthesizer häufig dunkel gefärbten – Pop-Ästhetik. Unter denjenigen, die in dieser neuen Klangwelt kalkulierter Synthie-Coolness eine geeignete Form des Ausdrucks finden, sind auch die drei jungen Pariser Musiker Nicola Sirkis (Gesang, Gitarre, Keyboards), Dominique Nicolas (Gitarre) und Dimitri Bodiansky (Saxofon). Nachhaltig inspiriert durch damals aufstrebende britische Bands wie The Cure oder Depeche Mode, kreieren Indochine ihre ganz individuelle Version eines dunklen Synthie-Pops, den sie anfangs noch mit geschickt platzierten Punk-Elementen garnieren.

Nur zwei Monate nach ihrem ersten Konzert veröffentlichen sie Ende 1981 ihre Debütsingle, die Kritiker und Szenekenner unmittelbar überzeugt. Die nunmehr zum Quartett gewachsene Truppe geht Anfang 1982 ins Studio, um das Debütalbum aufzunehmen. „L'Aventurier“ erreicht auf Anhieb Platz 7 der französischen Charts. Es ist der Auftakt zu einer bis heute unvergleichlichen Karriere, in deren Verlauf nur zwei Alben knapp an der Top 10-Hürde scheitern.

Bis in die 90er bleibt die Besetzung bis auf vereinzelte Wechsel am Schlagzeug konstant. Auf Alben wie „3“ (1985), „7000 Danses“ (1987) oder „Le Baiser“ (1990) formulieren Indochine ihre signifikante Mischung aus ebenso hymnischen wie melancholischen Melodien, opulenten Keyboard-Welten und einer stets leicht mystischen Atmosphäre immer wieder neu. Nicht nur dieser Mut zu frischen Impulsen bringt ihnen den Ruf ein, die frankophile Antwort auf Depeche Mode zu sein.

1999 erleben Indochine eine tragische Zäsur: Gitarrist und Keyboarder Stéphane Sirkis, der Bruder des Sängers, verstirbt überraschend an einer Hepatitis-Erkrankung. Anstelle einer kurzzeitig diskutierten Bandauflösung ergreifen die Mitglieder die Flucht nach vorn und nehmen zu Ehren des verstorbenen Mitglieds das Album „Dancetaria“ auf. Es gerät für Indochine nicht nur zum überragend erfolgreichen Comeback, sondern markiert auch den Beginn einer neuen Sound-Ästhetik, die sich vom reinen Synthie-Pop ab- und einem Gothic inspirierten Rock im Geiste Placebos zuwendet.

Seither widerfährt Indochine in der aktuellen Besetzung aus Frontmann Sirkis, Gitarrist Boris Jardel, Bassist Marc Eliard, Keyboarder Oli de Sat und Drummer Francois „Mr. Shoes“ Soulier ein ungebrochener, mittlerweile auch in Skandinavien und Südamerika beachtlicher Erfolg als lebende Legenden der französischen Popkultur. Wie nah am Puls der Zeit diese Band auch nach drei Jahrzehnten ist, bewies nicht zuletzt ihr jüngstes Album „Black City Parade“.