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Morrissey ist ohne Frage der große Gentleman der britischen Popmusik. Seine treue Anhängerschaft schätzt ihn nicht nur für sein stilvolles Auftreten, die opulent perlende Musik und souveräne Haltung gegenüber Massenmedien, Politik und dem eigenen Erfolg. Die 50jährige Stilikone wird ebenso verehrt für ihre lyrische Leidenschaft, mit der komplexe, kontroverse und auch unbeliebte Themen angepackt werden. In den 21 Jahren seiner Solokarriere, die seit der Auflösung seiner Band The Smiths vergangen sind, schrieb Morrissey, der von seinen Fans neckisch ‚Moz’ oder ‚Mozzer’ genannt wird, acht brillante Alben voll gesellschaftlicher Statements, persönlicher Geschichten und edel tönendem Sound, wie ihn nur ein echter Brite zaubern kann. Im Februar erschien sein neuntes Soloalbum „Years Of Refusal“, das klanglich wieder stärker an seine bislang rockigste Phase mit „You Are The Quarry“ (2003) anknüpft. Im Anschluss an die Veröffentlichung seines neuesten Werks „Swords“ Ende Oktober wird der Gentleman der Popmusik zwischen dem 16. und 20. November für vier weitere Termine nach Deutschland kommen. Berlin, Hamburg, Düsseldorf und München sind die deutschen Stationen seiner Konzertreise.

Als Steven Patrick Morrissey am 22.05.1959 in Davyhulme, einem Vorort von Manchester, zur Welt kam, lernte er schnell, was es bedeutet, ein Außenseiter zu sein. Seine Eltern waren irisch-katholische Einwanderer, die sich mit den laxen Sitten in der Arbeitersiedlung, in der er aufwuchs, schwer taten. So verbrachte er als Kind die meiste Zeit zu Hause. Mit sieben begann er, Schallplatten zu sammeln. Er wollte damals noch in die Fußstapfen seiner Mutter treten und Bibliothekar werden. Diese tiefe Verbundenheit zur Literatur und Lyrik spürt man in jeder Zeile, die er schreibt. Insbesondere die Bücher von Oscar Wilde sowie „A Taste Of Honey“, ein Drama der irischen Schriftstellerin Shelagh Delaney, üben bis heute einen nachhaltigen Einfluss aus. Bedingt durch seine irische Außenseiterrolle, war seine Jugend von Depression geprägt. Er hatte kaum Freunde, nahm Antidepressiva und verließ selten sein abgedunkeltes Zimmer, in dem er oft tagelang auf einer Schreibmaschine tippte.

Als er auf den deutlich jüngeren Gitarristen Johnny Marr stieß, änderte sich sein Eremitendasein. Gemeinsam mit zwei Freunden gründeten sie The Smiths, die mit ihrer unterkühlten, gleichwohl höchst stilvollen Popmusik über Nacht zur Sensation der englischen Musikszene wurden. Mit nur vier Alben in vier Jahren stiegen sie zu internationalen Superstars auf. In dieser Zeit begann auch das spezielle Verhältnis zwischen Morrissey und der englischen Presse, die ihn einerseits zum neuen Musikgott erhob, andererseits immer wieder wegen seiner zynischen, mehrdeutigen Texte angriff. Er verarbeitete – mal biografisch, mal betont allgemeingültig – Themen wie soziales Außenseitertum, Tierrechte, Sexualität und unerwiderte Liebe. Heute gehören The Smiths zu den größten Ikonen der englischen Popmusik. Vor zwei Jahren kürte sie der ‚NME’ sogar zur „einflussreichsten Band aller Zeiten“. Ganze Hundertschaften britischer Bands, von Blur bis Franz Ferdinand, von Interpol bis Oasis, berufen sich auf The Smiths.

Seit ihrer Auflösung 1987 widmet sich Morrissey seiner Solokarriere. Wie kein Zweiter verbindet er beißende Selbstironie, sehnende Theatralik und aufrichtige Melancholie, politisch beeinflussten Wortwitz und individuelle, zuweilen betont kantige Pop- und Rockmusik zu klingenden Ereignissen. Für jedes Album stellt er ein neues Team aus Musikern, Songwritern und Produzenten zusammen, um so der Gefahr der Wiederholung zu entgehen.