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Phoenix gehören zu den außergewöhnlichsten und erfolgreichsten Bands der französischen Musikszene. Mit ihrem gekonnten Spagat zwischen Indie-Pop und elektronischen Exkursionen schufen sie einen Klangkosmos, der Dancefloors, Hitradios und Rockfestivals gleichermaßen bedient. Mit ihrem jüngst erschienenen, vierten Album „Wolfgang Amadeus Phoenix“ haben die Franzosen, die sich bei jedem Werk für ein eindeutig umrissenes Thema entscheiden, erneut ein Spannungsfeld gefunden. Die CD lotet die kompositorischen Parallelen zwischen moderner Popmusik und Klassik aus und ist als Referenz an die barocken Urväter der Kompositionskunst zu verstehen. Nach umjubelten Auftritten bei Rock am Ring und Rock im Park kehren Phoenix im Herbst für acht Konzerte zurück. Hamburg, Bielefeld, Köln, München, Stuttgart, Frankfurt, Mannheim und Berlin sind vom 12. bis 21. November die Stationen ihrer Deutschlandtournee.

Von Anbeginn der Band, die sich Anfang der 90er Jahre in Paris formierte, bis zur ersten Veröffentlichung aber fast zehn Jahre Zeit ließ, spielte die Wechselbeziehung zwischen Club-infizierter Dance Music und formvollendet komponierten Popsongs eine große Rolle. Über mehrere Jahre spielten Sänger Thomas Mars, Bassist Deck D’Arcy und Gitarrist Christian Mazzalai mit den Elementen des Indie-Rock ebenso wie mit Versatzstücken aus House Music, Drum’n’Bass und Ambient. Als Mazzalais Bruder Laurent Brancowitz hinzu stieß, nahm diese stilistische Gratwanderung noch ausgeprägtere Formen an. Brancowitz spielte zuvor mit zwei anderen Musikern in der Indie-Rock-Band Darlin’. Als er zu Phoenix wechselte, gründeten die anderen beiden das Elektronik-Duo Daft Punk, das als Initialzündung für den so genannten ‚French House’ gilt.

Auch bei Phoenix blieben sie der Elektronikmusik zunächst treu. Sie arbeiteten als Live-Band der französischen Ambient-Pop-Künstler Air, die ihnen zur Aufnahme einer eigenen Single verhalfen. Als diese zu einem Clubhit avancierte, war das Interesse der Plattenfirmen geweckt. So erschien 2000 ihr Debüt „United“, das Phoenix mit den beiden Clubhits „Too Young“ und „If I Ever Feel Better“ zur angesagten Band zwischen Rock und Tanzmusik machte. Ihre Qualität: Sie vermischen live gespielte Instrumente mit Computer-Drumbeats und schreiben Songs, die einerseits tanzbar, andererseits von ungewöhnlicher Schönheit und Eleganz sind. Ein Trend, der sich mit dem zweiten Album „Alphabetical“ sowie den Hitsingles „Everything Is Everything“ und „Run Run Run“ weiter fortsetzte.

Seit ihrem dritten Album „It’s Never Been Like That“ von 2006, das Phoenix in einem alten DDR-Radiostudio in Berlin aufnahmen, haben sie sich stilistisch stärker dem konventionellen Bandsound angenähert, ohne die Tanzbarkeit dabei zu vernachlässigen. Ihr kürzlich erschienenes Album „Wolfgang Amadeus Phoenix“ setzt diese Tradition fort. Es ist ein Werk aus brillanten Melodien und Songs, die die Coolness der Unaufdringlichkeit auf perfekte Weise mit der Dringlichkeit einer großen Komposition verbinden. Gerade diese tänzelnde Eleganz ist es, die auch ihre Konzerte auszeichnet. Auch die Regisseurin Sofia Coppola begeisterte sich für den Stil der Franzosen und unterlegte eine Schlüsselszene ihres gefeierten Kinodebüts „Lost In Translation“ mit einem Phoenix-Song, ließ die ganze Truppe in ihrem Kostümfilm „Marie Antoinette“ auftreten – und hat mittlerweile Sänger Christian Mars geheiratet und mit ihm zusammen einen Sohn.