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Placebo ist die jüngste der etablierten UK-Kultbands und hat – ähnlich
wie ihre Landsmänner von Depeche Mode, The Cure und Morrissey – nach vergleichsweise wenigen Jahren Bandgeschichte, bereits Legendenstatus inne. Das Trio um den schillernden Frontmann Brian Molko wurde kürzlich von Linkin Park persönlich eingeladen, an der diesjährigen „Projekt Revolution 2007“ Tour durch die USA teilzunehmen und wird sich die Bühne – neben Headliner Linkin Park – mit Acts wie My Chemical Romance und HIM teilen. Kurz zuvor gastieren Placebo am 28. Juni in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Black Market Music, Placebo s drittes Studioalbum, verkaufte eine Million Einheiten und schoss in Europa auf Platz 1 der Album-Charts. 2003 erschien der Longplayer Sleeping With Ghosts und übertraf den Erfolg des Vorgängers mit sensationellen 1,5 Millionen Plattenverkäufen und Top 10-Chartpositionen in mehr als 20 Ländern. Im Folgejahr spielten Placebo in der restlos ausverkauften Wembley Arena in London vor Zehntausenden von Fans und holten als Gaststar The Cures Sänger Robert Smith auf die Bühne. Weitere spektakuläre Momente in Placebos Karriere stellen Kollaborationen mit David Bowie, Frank Black von den Pixies und Michael Stipe von R.E.M. dar, die Placebo mit verschiedenen Duetten ehrten. Das aktuelle Album Meds (2006) erreichte nur wenige Wochen nach Veröffentlichung ebenfalls Goldstatus.

Als Placebo 1996, zwei Jahre nach ihrer Gründung, ihr unbetiteltes Debütalbum veröffentlichten, flogen ihnen schnell die Herzen der Musikbegeisterten zu, auch wenn auf manche das androgyne Auftreten von Frontmann Brian Molko zunächst etwas irritierend wirkte. Dass Hits wie 36 Degrees, Bruise Pristine oder Nancy Boy keine Eintagsfliegen sein sollten, manifestierte spätestens 1998 die CD Without You I’m Nothing, ein unschlagbares Meisterwerk des melancholischen Britpop. David Bowie zeigte sich begeistert und sang mit Molko im Duett den düsteren Titeltrack ein. Placebo hatten ihren festen Platz in der Musikgeschichte eingenommen.

Im Sommer 2004 zogen sich Placebo nach Südfrankreich zurück, um die Aufnahmen zum aktuellen Album Meds vorzubereiten. Geplant war, das elektronischste Album ihrer Geschichte zu machen, doch es sollte anders kommen. Endgültig realisiert wurde die CD in London. Produzent Dimitri Tikovoi, seit Jahren schon Freund und Begleiter der Band, forderte die Musiker auf, ihre Songs live einzuspielen. „Dimitris Idee war, dass wir quasi wieder ein Debütalbum machen sollten“, blickt Brian Molko zurück. Nach anfänglichem Widerwillen stellten Placebo fest, dass es wunderbar funktionierte, die zuvor mit Hilfe von Sequenzern, Synthesizern und Keyboards erzeugten Sounds organisch zu reproduzieren. „Der ursprüngliche Plan hatte sich umgekehrt“, erzählt Molko. „Statt möglichst dick aufzutragen, machten wir alles so simpel wie möglich und verzichteten auf Effekthascherei.“

Der Mut zur Einfachheit hat sich gelohnt. Meds ist so ungeschminkt, berührend und tiefgehend und dabei musikalisch so überzeugend, wie man es von einer weltweit gefeierten Band erwarten darf. „Wir haben in den letzten Jahren viel dazugelernt und live enorm gewachsen“, resümiert Stefan Olsdal. „Bei der letzten Tour waren fünf Musiker auf der Bühne, was Brian und mir die Freiheit eröffnete, mehr Showelemente einzubringen.“ Konzerte von Placebo waren schon immer ein klangliches und visuelles Ereignis. Das wissen nicht nur die Glücklichen, die die Gastspiele bei Rock am Ring und Rock im Park, wo Placebo im vergangenen Jahr ein Rockspektakel der Extraklasse ablieferten, miterlebt haben, sondern auch Tausende von Fans vor den TV-Geräten. Die Übertragung der Placebo -Show von Rock am Ring hatte nämlich bei weitem die höchsten Einschaltquoten von allen aufgezeichneten und in die Wohnzimmer gesendeten Gigs.