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pohlmann. ist nett, sieht gut aus und er trägt die Sonne im Herzen. Wobei dort auch viel Platz für Melancholie und Nachdenklichkeit ist, doch dieser junge Mann bringt selbst Ängste und Sorgen so entspannt rüber, dass die Gemüt aufhellende Wirkung nur knapp an der Rezeptpflicht vorbeikommt. Einige sagen, er sei die deutsche Antwort auf Ben Harper und Jack Johnson. Und auch wenn solche Verweise der Individualität eines Künstlers nie gerecht werden können, beschreibt dies die Stimmung der Songs des Hamburgers doch recht gut. pohlmann. ist ein Wanderer, immer auf der Reise zwischen hier und dort. Ankommen, um sich ein neues Ziel zu suchen, scheint seine Devise zu sein. Und angekommen ist er mit seinem Debütalbum Zwischen Heimweh und Fernsucht ausgesprochen gut.

Die Single Wenn jetzt Sommer wär (hier begegnet er dem nahe liegenden Vergleich zum Ex-Surf-Champion auf charmant-offensive Art: „In die Batze fahren und vom Dreier springen, und nachts auf der Straße Jack Johnson singen“) belegte wochenlang den ersten Platz bei den Hörercharts des großen Radiosenders 1Live und verwies dabei Superstars wie Robbie Williams, Placebo oder Mando Diao auf die Plätze. Außerdem konnte der Ohrwurm das Leservoting des Hamburger Abendblatts gewinnen, und auch Beachvolleyball macht mit diesem lockeren Lied mehr Spaß, weshalb Wenn jetzt Sommer wär zum offiziellen Song der Smart Beach Tour 2006 gekürt wurde. Der nächste sichere Hit wird mit Mädchen und Rabauken im Rahmen von Stefan Raabs Bundeseurovision Songcontest vorgestellt.

Feinfühlige Balladen wie Zurück zu dir oder An Mina sind eine große Stärke von pohlmann., weil seine eindringliche Stimme hier perfekt zur Geltung kommt, doch zum Glück ist es längst nicht seine einzige Stärke. Die Melodien seiner Songs sind angenehm unaufdringlich, aber auch ungemein nachhaltig. Die beiden weiter oben beschriebenen Singles oder den nicht minder famosen Titeltrack des Albums muss man nur einmal hören, schon läuft den ganzen Tag ein Gute- Laune-Loop durch das Gehirn. Selten war melancholische Musik zwischen Folk, Blues und ganz viel Pop so herzerwärmend und optimistisch stimmend. pohlmann. liefert den Soundtrack für alle Jahreszeiten: Im Frühling und Sommer passt Zwischen Heimweh und Fernsucht sowieso wie ein Liegestuhl zum Sonnenschirm, an den dunkleren Tagen spendet es der Sehnsucht Licht.

pohlmann. hat keine Angst, sein Innerstes nach außen zu kehren, er lässt sein Publikum tief in seine Seele blicken. Das schafft Nähe und auch Verbundenheit, denn die ehrliche, direkte Art, mit der pohlmann. seinen Gedanken zu den Kuriositäten und Widersprüchen des Lebens Ausdruck verleiht, kann jeder nachvollziehen, der das Denken und Fühlen noch nicht verlernt hat. Wenn der gebürtige Westfale bei seinen Konzerten – vor kurzem erst begeisterte er das Publikum von Vonda Shepard, der bezaubernden KT Tunstall und sogar bei Rock am Ring und Rock im Park – die ersten Akkorde anstimmt, gehört ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit. Und pohlmann. braucht dafür keine alles übertönende Lautstärke, die Intensität seiner Darbietung ist wirkungsvoller als jeder Dezibel-Orkan.