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Der Poet, Schauspieler und Rapmusiker Saul Williams ist ein begeisterndes Beispiel für die sinnstiftende Verbindung von politischen, philosophischen und gesellschaftlichen Inhalten mit kantigem HipHop. Seine Texte sind explizit und aufwühlend in ihrer Dringlichkeit, seine Musik genießt den Ruf, den HipHop in neue Gefilde zu führen. Auf diese Weise wurde Saul Williams zu einer bedeutenden Stimme eines aufgeklärten, nachdenklichen Amerikas. Nach mehr als drei Jahren Funkstille reüssierte Saul Williams im Mai mit seinem vierten Album „Volcanic Sunlight“, das er im Herbst in Deutschland live vorstellt. Am 22. Oktober gastiert er in Köln, am 23. Oktober in Berlin.

Der gebürtige New Yorker Saul Williams bewies schon in Kindertagen seine Affinität zu Lyrik und politisch engagierter Poesie. Bereits das College schloss er mit Auszeichnungen in Philosophie und Schauspiel ab, auf der New Yorker Universität erlangte er in diesen Gebieten seinen Master. Mit Anfang 20 gehörte er zu den führenden Köpfen der amerikanischen Slam Poetry-Szene, einer postmodernen Lyrik-Gattung, die Poesie, Freestyle Rap, Gesellschaftskritik und Performance Art zu mitreißenden Ein-Mann-Shows verknüpft.

Meist werden diese Slam Poetrys als Wettbewerb abgehalten, das Publikum entscheidet über den Gewinner. So gewann Saul Williams 1996 den Titel ‚Grand Slam Champion’, was ihn in der linksorientierten, politisch aufgeklärten Szene der USA zum neuen Geheimtipp machte. Durch seine Mitwirkung als Drehbuchautor und Hauptdarsteller in dem preisgekrönten Spielfilm „Slam“ und der Dokumentation „Slam Nation“, die beide 1998 erschienen und die Slam Poetry-Szene beleuchteten, avancierte Saul Williams zu ihrem Star.

Erst zu Beginn des neuen Jahrtausends begann Saul Williams, inzwischen erfolgreicher Autor zahlreicher Gedichtbände und gefragter Gast-Kommentator für die New York Times, Esquire oder das Bomb Magazine, seine Worte mit Musik zu verknüpfen. Seine Version von HipHop verfügt über eine maschinell-kantige, zuweilen bewusst abstoßend harsche Ästhetik. Nicht nur die Worte sollen den Hörer berühren und aufwühlen, auch die Musik versteht er als Mittel zur Konfrontation mit sich selbst und seinen Gedanken und Einstellungen.

Nach dem Debütalbum „Amethyst Rock Star“, das international als ein neues Manifest zwischen Politik, Pazifismus und Poesie gefeiert wurde, geriet Williams auf seiner Suche nach einem individuellen, aufrüttelnden Sound an den Nine Inch Nails-Kopf Trent Reznor. In Kooperation mit ihm entstanden die Alben „Saul Williams“ (2004) und „The Inevitable Rise And Liberation of NiggyTardust!“ (2007). Das aktuelle Album „Volcanic Sunlight“ schrieb und produzierte Williams nun wieder solo. Es zeigt den engagierten Veganer, der derzeit in Paris lebt, von einer gereifteren, ‚menschlicheren’ Seite, der eher vermitteln als brüskieren will. Das verspricht spannende Konzerte.