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Der im Libanon geborene US-Amerikaner Serj Tankian gehört zu den aufregendsten Protagonisten der modernen Rockszene. Er ist zu gleichen Teilen künstlerisch, politisch und gesellschaftlich aktiv und verbindet diese Elemente immer wieder neu und spannend. Als Frontmann der Alternative-Metal-Band System Of A Down hat sich Tankian innerhalb eines Jahrzehnts in den Rock-Olymp gespielt. Parallel veröffentlichte er zwei Soloalben, arbeitete journalistisch und engagierte sich in sozialen und politischen Kontexten. Am 24. und 25. August bietet der getriebene Künstler seinem deutschen Publikum eine ganz neue Facette seines schillernden Schaffens an: Gemeinsam mit achtköpfigem Kammerorchester und Band wird er in Hamburg und Köln erstmals Songs seines im Sommer erscheinenden Albums „Imperfect Harmonies“ vorstellen.

Seit seinem Einstieg in die Musikbranche ist sich Serj Tankian, der 1967 in Beirut geboren wurde und im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern in die USA emigrierte, in seinem Tun der politischen und sozialen Verantwortung von Kunst bewusst. Mit seinen Songs berührt er Menschen auf einer emotionalen Ebene, um so Zugang zu ihrem Intellekt zu finden. „Wenn Dir ein Song nahe geht, wirst du über ihn nachdenken“, beschreibt er seinen Ansatz. „So findet man einen Weg zu den Meinungen und Überzeugungen, die ich zu bereichern versuche, indem ich in meinen Texten Impulse und Inspirationen anstoße.“

Mit dieser Methode verhalf er System Of A Down nicht nur zu internationalem Erfolg, sondern zu einer einzigartigen Ausnahmestellung innerhalb der Szene harter Musik. Wohl keine andere Band dieses Genres wird neben den furios komponierten und virtuos gespielten Songs so nachhaltig für ihre Aussagen und Inhalte geschätzt. Zusätzliche geistige Nahrung erhielten die Fans über Tankians Gedichtband „Cool Gardens“ in der Tradition eines T.S. Eliot sowie über seine engagierte Öffentlichkeitsarbeit. Mit dem Rage Against The Machine-Gitarristen und Umweltaktivisten Tom Morello rief Tankian 2004 die Organisation Axis of Justice ins Leben, deren Aufgabe es ist, globale Missstände, Rassismus, Medienzensur und Menschrechtsverletzungen zu thematisieren.

Themen, die sich auch in seinen Songtexten wiederfinden – insbesondere auf seinem bislang letzten Soloalbum „Elect The Dead“ von 2007, mit dem er durch Folk- und Rock-Anleihen neue Hörerkreise für seine Botschaften erschließen konnte. Denn das ist ein zentraler Antrieb Serj Tankians: Der Blick über den Tellerrand, das Ausbrechen aus Szenen sowie das Abenteuer, sich immer wieder auf neue Darstellungs- und Klangformen einzulassen.

Diesem Anspruch folgte auch sein bislang letzter Geniestreich. Anfang 2009 schrieb und arrangierte er sämtliche Songs seines letzten Werks sowie einige bislang unveröffentlichte Stücke für ein 70-köpfiges Symphonieorchester um. Diese Neuinterpretationen, zusammengefasst unter dem Titel „Elect The Dead Symphony“, wurden im März 2009 in der Auckland Town Hall in Neuseeland uraufgeführt und für die Nachwelt mitgeschnitten. CD und DVD dieses einzigartigen Live-Ereignisses wurden hierzulande am 12. März veröffentlicht.

Inspiriert von dieser stilistischen Offenheit, begann der Grenzgänger mit der Arbeit am Nachfolger. Das für den Sommer erwartete Album, das zunächst den vielsagenden Titel „Music Without Borders“ trug und mittlerweile in „Imperfect Harmonies“ umbenannt wurde, wird eine vollkommen andere Seite seines künstlerischen Schaffens präsentieren: Man spricht von großen Jazz-Arrangements im Wechselspiel mit elektronischen Elementen. Entsprechend spannend und außergewöhnlich dürften die beiden Konzerte im August ausfallen.