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Klar, wenn die beiden Songwriter Carl und Victor Norén einen großen
Bruder haben, der mit seiner Band ungemein erfolgreich ist, macht
man es sich gerne einfach und siedelt die Kunst der Jüngeren im
Fahrwasser des Erstgeborenen an. Doch damit dürfte so langsam
wirklich Schluss sein, denn Sugarplum Fairy sind keinesfalls die
„kleinen Brüder von Mando Diao“, auch wenn dort ein gewisser Gustaf
Norén den Bandleader gibt. „Als wir uns gegründet haben, gab es
Mando Diao streng genommen noch gar nicht“, gibt ein ob der leidigen
Vergleiche genervter Carl Norén zu Protokoll. „Und nur weil bei uns
in der Familie alle musikalisch in den Sechzigern verwurzelt sind, heißt
das doch nicht, dass wir Mando Diao kopieren.“

Nein, ein Plagiat sind Sugarplum Fairy mitnichten, auch wenn sich in
ihrer Musik manche Querverweise zu britischen Ikonen wie Oasis
und Blur, The Jam und The Clash, den Beatles und den Sex Pistols
finden lassen. Schon ihr Debütalbum Young And Armed von 2005
war alles andere als ein Abklatsch von Mando Diao. Vielmehr offenbarten
die fünf Youngster ein sicheres Händchen für mitreißende
Poprock-Hymnen. Die grandiose Melodie von Far Away From Man erinnerte
dabei dezent an The Smiths und The Restless Breakout
verneigte sich gar vor Rock’n’Roll-Altmeister Iggy Pop.

Doch wie das bei jugendlichem Ungestüm oft so ist, will man das
gestern ganz schnell hinter sich lassen. Auch Sugarplum Fairy schauen
nicht zurück, sondern haben den Blick stets nach vorn gerichtet.
„Das erste Album war ja nur eine Sammlung von Songs, die wir in den
Jahren zuvor geschrieben hatten“, erklärt Carl. „Am neuen haben
wir in den letzten beiden Jahren viel intensiver und fokussierter gearbeitet.“
Tatsächlich gehen die fünf Jungs aus Borlänge auf dem
im Spätsommer 2006 erschienenen Album First Round First Minute
noch deutlich inspirierter, authentischer und ungestümer zu Werke
als auf dem Debüt.

Gedanken an The Jam (The Soul Of The Sun), Oasis (Left, Right, Black,
White
) und die unvermeidlichen Beatles (My Saviour My Secret)
werden zwar auch auf dem zweiten Album zuweilen wachgerufen, doch
insgesamt kann man Sugarplum Fairy in Anbetracht dieses kleinen
Meisterstücks zweifellos attestieren, aus dem Schatten der Vorbilder
getreten zu sein und ihren ganz eigenen Weg gefunden zu haben.
Das weiß die Band, und deshalb hat sie es auch nicht mehr nötig
zu leugnen. Visible Karma erklärt Carl so auch kurzerhand selbst
zu einer „orientalischen Variante der Stone Roses“. Nichts spricht
gegen Inspirationen, solange man sich auf großartige Quellen bezieht
und seine eigene Identität in den Vordergrund rückt.

Dies tun Sugarplum Fairy definitiv. Jetzt müssen sich die sympathischen
Schweden-Boys nur noch mit einem anderen Vorurteil herumschlagen,
nämlich dass sie gar nicht der Musik wegen Rockstars
geworden sind. Haarsträubender Unsinn ist das, in die Welt gesetzt
von neidischen Geschlechtsgenossen. Was können Sugarplum Fairy
denn dafür, wenn vorne reihenweise hübsche Mädchen kreischen
und sich die Finger an den Auslösern ihrer Handys und Digitalkameras
wund knipsen. Wenn man mal ein paar Reihen weiter schaut, dann
sieht man auch die nicht minder zahlreichen Jungs. Und die tun genau
das Gleiche wie die Fünf auf der Bühne: Rocken, bis das Adrenalin
ungebremst durch den Körper strömt.